| Holzkreuz - entworfen und umgesetzt von Yvonne Heinrich und Bruno Ursprung (verhüllt vor der Karfreitagsliturgie) Fotos von Hans Rohrer (Langnau a.A.) |
| unverhüllt während der Fastenzeit |
Karfreitagsgedanken von Yvonne Heinrich
Wir haben in der diesjährigen Fastenzeit in der unserer Pfarrkirche in Langnau das Kreuz mit einem Corpus ins Zentrum gerückt. Dazu haben wir verschiedene Leid- und Notsituationen aus Tageszeitungen und der Fastenagenda 2011 gelegt.
Was soll das? Verehren/verherrlichen wir damit das Leiden ?!
Buddhisten haben sich schon empört über dieses christliche Zeichen - das soll ein Hoffnungszeichen sein , ein Gemarteter am Galgen?! Da ist der ruhig dasitzende in sich gekehrte Buddha doch schon attraktiver, ansprechender.
Auch bei uns entbrennt ja immer mal wieder die Diskussion über die Salonfähigkeit des Kreuzes – mit oder ohne Corpus - (und es geht hier nicht nur um interreligiöse Toleranz).
Zur Karfreitagsliturgie gehört die Verehrung des Kreuzes. Aber was tun wir da eigentlich?!
Wenn wir das Kreuz verehren, dann verherrlichen wir sicher nicht das LEIDEN.
Auch Jesus hat dies ja nie getan, im Gegenteil: Sein Leben und Engagement für die Menschen war immer leidenschaftlicher Einsatz für das Leben, für das Glück, für das Heil der Menschen. Er wollte die Heilung eines Gelähmten nicht um einen Tag aufschieben, auch wenn es Sabbat war: - ein grosses Sakrileg !
Sein Tod steht in der Verlängerung seines Lebens: sein Todesleiden erwuchs u.a. aus dem Kampf gegen das Leid. Deshalb kann Kreuzverehrung niemals Leidverharmlosung oder gar Verherrlichung bedeuten!
Kreuzverehrung heisst etwas anderes, dazu 3 Punkte:
Kreuzverehrung ist …
1. Dank für Jesu / Gottes vergebende und uns befreiende Liebe auch noch in äusserster Anfechtung: sein Ja zu uns Menschen (als Täter u Opfer), wo wir ihm gewaltsam ein Nein ins Gesicht schleudern: z.B.„ich kenne dich nicht¨- „kreuziget ihn“ oder heute „der Verhungernde soll doch sterben“… „ nun ja, Kriegs gab’s schon immer“ ..oder…“was mit der Umwelt passiert in 100 Jahren ?!– mich betriffts ja nicht mehr“! so und anders kann dieses NEIN zu Gott tönen.
Kreuzverehrung ist gleichzeitig Dank für Gottes Solidarität mit uns in dunkelsten Leid- und Verlassenheitserfahrungen, wie Krankheit und Sterben/Tod. **
2. Mitleid und Achtung/Respekt gegenüber all denen, die heute leiden, seelisch oder körperlich:..ev. bei uns zuhause, in den Onkologien der Spitälern, im strahlenverseuchten Gebiet Japans, in Misrata… oder …?! Deshalb gehört der Bilderweg mit heutiger Not mit dazu. Christus leidet auch heute noch in allen Menschen, denen Schweres auferlegt ist. Das sagt uns Paulus im 24. Kapitel des Kolosserbriefes: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“
3.und als drittes: Kreuzverehrung nimmt uns ganz konkret in Pflicht u Verantwortung: Wir können nicht gleichgültig wegsehen! Auch wir sind gerufen zu handeln, alles Mögliche tun, um Not und Leiden um uns zu mindern oder, wo nicht möglich, mindestens solidarisch zu begleiten.
In der Karfreitagsliturgie sind wir eingeladen in diesem 3-fachen Sinne das Kreuz zu verehren: Dank, mitleidsvoller Respekt, Verpflichtung zur Tat.
Kreuzverehrung geschieht in persönlichen Gesten. Man kann eine Blume zum Kreuz bringen oder eine andere ganz individuelle Geste wählen. Dazu erklingt der Liedvers: „Adoramus te Christe, benedicimus tibi, quia per crucem tuam redemisti mundum“, das heisst: „Wir beten dich an, Christus, und preisen dich, denn durch dein Kreuz hast du die Welt erlöst.“
* Ich habe 2 Menschen in ihrer schlimmen Sterbephase des Krebleidens begleitet. Sie haben ihrem (so sinnlos erscheinenden) Leiden einen tieferen Sinn gegeben als leiden-schaftliches Gebet für andere Menschen und als ihre persönlich Dankesantwort an Jesus. Sie sind erstaunlich froh und gelassen gestorben.
Die Theologin, Künstlerin und Kunsttherapeutin Yvonne Heinrich arbeitet seit 2008 in der Pfarrei Langnau-Gattikon als Pastoralassistentin und Seelsorgerin.
Die Ausführungen sind interessant. Trotzdem dünkt mich der Ausdruck "Verehrung" eine missverständliche Bezeichnung. Bei der Kreuzverehrung geht es ja um das, was wir jeden Sonntag beten: "Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod oh Herr verkünden wir, ...." Das Geheimnis besteht eben darin, dass es keine Auferstehung gibt, ohne ein Sterben, kein Glück, ohne eine Leiden. Karfreitag heisst für mich vor allem eines: Ich komme nicht um das Kreuz herum. Der einzige Weg führt mitten hindurch, was Yvonnes wunderbares Kunstwerk absolut treffend symbolisiert. Es geht für mich deshalb weniger um die Verehrung, sondern mehr um das Annehmen dieses Kreuzes.
AntwortenLöschenIch glaube auch nicht, dass das Leid in Japan grösser ist als bei uns. Sicher jedoch offensichtlicher. Bei uns wird das Leid einfach zugeschüttet mit Luxus und Materiellem, verdrängt unter dem Lärm und der Hektik des Alltags. Wir entfliehen dem eigenen Leid, der eigenen Ohnmacht, den eigenen Gefühlen von Verlassenheit und Verzweiflung durch Beziehungsabbrüche zwischen Eltern und Kindern (Kinder werden angeschrien, beschimpft, geschlagen), durch Beziehungsabbrüche zwischen Partnern, unter Verwandten und Freunden. Und es hilft doch alles nichts. Man kommt nicht um das Kreuz herum, wenn man Erlösung sucht. Das Kreuz löst bei mir also weniger Dank und Repekt aus, am ehesten vielleicht noch Tat und Handeln indem es mich vor vollendete Tatsachen stellt: "Geh darauf zu und mitten hindurch."