Dienstag, 15. November 2011

Martinsfest in Langnau

Zum vierten Mal fand am 11. November 2011 das spätherbstliche Martinsfest in Langnau am Albis statt. Ein stimmungsvoller Abend für gross und klein, egal welcher Konfession, mit Lichterumzug, Martinsspiel, Glühwein, Punsch und Grittibänz.


Eine merkwürdige Szene
Die spätherbstliche Abendluft hängt schwer über dem Platz. In der Mitte der Dunkelheit flackert angenehm warm und hell  ein Feuer. Gespannte Gesichter von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern werden erhellt. In Reihen stehen die Menschen um das Feuer, ringsherum um eine merkwürdige Szene. Die armselige Figur eines Bettlers, mager und gebeugt, geht mit langsamen, wackligen Schritten um das Feuer herum und streckt seine zitternde Hand aus. „Habt Erbarmen mit mir. Nur ein paar Rappen, bitte!“ Der Mann friert offensichtlich und in vielen Kinderaugen wird das Mitleid immer greifbarer. Stille. „Was passiert jetzt?“, scheinen die Blicke der Vielen zu fragen, als plötzlich ein Raunen durch die Menge geht. Wie aus dem Nichts ist er da. Hoch zu Ross mit der aufrechten, stolzen Haltung des römischen Offiziers. Seine Rüstung wirft schimmernd das Licht des Feuers zurück. Der Reiter steigt herab, während das Pferd Schwaden heissen Atemdampfes in den kalten Abend bläst. Langsam geht der Reiter auf den Bettler zu. Die Blicke der beiden so unterschiedlichen Menschen begegnen sich. Alle verstummen und die Zeit scheint für einen Augenblick still zu stehen. Ein Geräusch von Metall ist plötzlich zu hören. Entschlossen hat der Soldat sein Schwert gezückt – nicht um weh zu tun, sondern um zu teilen. Sein schwerer, warmer Mantel rutscht von seinen Schultern. Der Reiter hält ihn fest und trennt ihn mit dem Schwert in zwei Teile. Mit einer liebevollen Geste hängt er die eine Hälfte dem Armen um die Schulter, der sich schnell in den warmen Stoff einhüllt. Ein dankbarer Blick und ein fester Händedruck und der Offizier sitzt schon wieder auf dem Pferd. Schnell hat er das Ross an die Zügel genommen und reitet in die Nacht. Berührt bleiben die Menschen am Feuer stehen, mit dem Bettler in ihrer Mitte, und schauen dem Reiter nach.

Fest und Feuer auf dem Kirchplatz
Diese merkwürdige Szene bildet den Höhepunkt des Langnauer Martinsfestes. Der Reiter stellt den Heiligen Martin von Tours dar. Die Szene der Mantelteilung entstammt seiner Heiligenvita und wird am Martinstag an vielen Orten der Welt nachgespielt. In Langnau begannen wir auf dem Dorfplatz um 18.00 Uhr. Mit Fackeln und Laternen machten wir uns auf den Weg zum Platz vor der katholischen Kirche, wo die berühmte Szene gespielt wurde. Nach ein paar kurzen Gedanken in der Kirche wurde am Feuer gefeiert mit Grittibänz, Punsch und Glühwein, begleitet vom Musikverein Langnau.
Auch wenn das Fest von der katholischen Pfarrei organisiert wird, so ist es doch gedacht für alle, egal welcher Konfession. Einfach eine gute Gelegenheit mit der ganzen Familie, oder auch allein, einen guten Abend zu verbringen, andere Leute zu treffen und den Spätherbst zu geniessen.





Ein Fest mit Tradition
Wer kennt sie nicht die Martinsgans? Sie ist nur eine von vielen Traditionen und Bräuchen, die sich rund um das Martinsfest ranken. Auch wenn wir in Langnau erst zum vierten Mal ein Martinsfest feiern, so gibt es doch viele lebendige Traditionen an vielen Orten in der Schweiz und in Europa. An manchen Orten wird Martin aber auch erst wiederentdeckt, weil die Festbräuche schön und heimelig sind, aber auch weil die Gestalt des Heiligen auch heute noch viele Menschen berühren kann und eine ganz aktuelle Botschaft hat.

Ein Mann und seine Botschaft
Martin hat wirklich gelebt. Er wurde um das Jahr 316/317 in Sabaria, im heutigen Ungarn, in eine römische, nichtchristliche Offiziersfamilie hinein geboren. Früh hatte er Kontakte mit Christen, bis zu seiner Taufe sollte allerdings lange Zeit vergehen. Nach der Begegnung mit dem Bettler in der französischen Stadt Amiens hatte Martin in der Nacht einen Traum. Er sah den Bettler vor sich, bekleidet mit dem halben Mantelteil. Das Gesicht des Bettlers war allerdings verändert: In der Gestalt des Bettlers sah Martin Jesus Christus. Die Stelle aus dem Evangelium „Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, dass hast du mir getan“, liess Martin nicht mehr los. Martin liess sich taufen, verschenkte seinen Besitz und hängte das Soldatentum an den Nagel. Im weiteren Verlauf seines Lebens wurde er als Mystiker und Freund der Armen bekannt. Später zum Bischof gewählt, wurde er nach seinem Tod schon früh, besonders vom einfachen Volk als Heiliger verehrt.




Sozialprojekt 2011
Martin lädt uns ein zum Teilen. Wir wollen das St.Loreto Kinderheim in Mbinga/Tansania unterstützen. Dieses Heim beherbergt 80 Kinder, die behindert oder Waise sind. Das Heim wurde neben der Schule Ya Huruma gebaut, um den behinderten Kindern einen kurzen Schulweg zu ermöglichen, welchen sie mit Rollstuhl oder Gehhilfen bewerkstelligen können.
Beim Lernen, bei der Arbeit, im Spiel und in der Gemeinschaft  helfen sich die Kinder gegenseitig ihr hartes Schicksal zu tragen. Dabei finden sie Selbstwertgefühl und innere Freude.
St. Loreto wird von den Barmherzigen Schwestern vom Vinzenz von Paul geleitet und getragen. Ihre Sorge gilt allen, die in irgendeiner Weise arm oder hilfsbedürtig sind. Sie sehen ihre Berufung zur Nachfolge Christi als Dienst an den Armen.
Ohne unsere Unterstützung und Hilfe von aussen sind die Zukunftschancen der behinderten Kinder sehr gering bis nicht vorhanden.

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