Donnerstag, 18. April 2013

Gedanken zum Verständnis vom Leiden und Sterben Jesu Christi

von Pastoralassistentin lic.theol. Dorothea Coetsier, Pfarrei St. Marien, Langnau-Gattikon

Karfreitag – ein schwieriger Tag in vielerlei Hinsicht …
Was bedeutet mir das heutige Gedenken an die Leiden und das Sterben Jesu?
Karfreitag ist das Herz des Ostergeschehens. Jesus geht in den Tod. Er gibt sich hin. Er stirbt für unsere Sünden.
Durch die Jahrhundert haben sich einige Theologien zum Opfertod Jesu entwickelt, die erklären, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist.
Wie kann ich verstehen, was Jesu Tod für mich und für die sündige, verlorene Welt bedeutet?
Dazu kam mir ein Lied von Simon and Garfunkel in den Sinn, das heisst „Bridge over troubled water“ – Brücke über aufgewühltes Wasser. Wie wichtig Brücken sind haben wir sicher alle schon erlebt.
Das Bild einer Brücke Gottes zu uns Menschen in Jesus Christus liess mich seither nicht mehr los.
Ich möchte die erste Strophe in deutscher Übersetzung mit Euch teilen:
Wenn du alles satt hast, dir klein und hässlich vorkommst,
deine Augen voller Tränen sind –
glaub mir, ich trockne jede einzelne von ihnen.
Ich steh zu dir, wenn die Zeiten rauher werden und alle Freunde verschwunden sind.
Ich bin für dich wie eine Brücke über aufgewühlten Wassern –
Wir alle kennen die Tränen der Trauer und des Leids. Aber was hat nun Jesu Tod mit mir und meinen Sorgen zu tun und wie kann er eine Brücke in meinem Leben sein?
Ich möchte einen Erklärungsversuch wagen, dafür muss ich ganz am Anfang beginnen:
Gott, unser Vater, rief die Schöpfung ins Leben. Er schuf die Menschheit. Wir nennen sie in den Urgeschichten unter anderen Adam und Eva, Kain und Abel und Noach. In diesen Geschichten geht es NICHT um historische Details, sondern um das Wesen des Menschen zu zeigen: wir erfahren vom Urtrieb des Menschen, mächtig, kontrollierend und wissend sein zu wollen. Wir wollen wie unser Schöpfer göttlich sein. Dafür tun wir so einiges …. Wir können es in den Urgeschichten nachlesen: wir halten unser Wort nicht, töten unseren Bruder, bauen Türme und Luftgespinnste um uns ein ewiges Denkmal zu setzen. Wir schöpfen unser eigenes Leid.
Wir lesen aber auch von Gottes Versuchen uns Menschen wiederzugewinnen indem er Seinen Arm austreckt um unseren menschen-gemachten Abgrund zu überbrücken. Er schliesst einen Bund mit Abraham und den Erzvätern, Er erscheint Mose im brennen Dornbusch und offenbart ihm Sein Wesen: Ich bin der ICH-BIN-DA. Und so tritt Gott noch viele Male an viele Menschen heran um eine Brücke zu schlagen. Aber wir Menschen sind eben so, wie wir sind. Rückfällig. Vergesslich. Schwach. Die ganze Bibel ist voll von solchen Geschehen. Und aus dem eigenen Leben kennen wir sicher auch viele Beispiele. Die Brücke zu Gott wurde von uns Menschen immer wieder zerschlagen.
Da entschied sich Gott selber zu kommen. Selber Mensch zu werden. Uns vorzuleben wie Sein Reich aussehen kann. Ewige Liebe und Barmherzigkeit.
Das tat Jesus: er liebte die Menschen und nahm sich ihrer an. Er heilte die kranken an Leib und Seele, sprach Vergebung aus, tröstete die traurigen, predigte vom Reich Gottes, integrierte die Ausgestossenen und Verachteten und brachte sie wieder auf den Weg zu seinem Vater. Und versuchte das Verständnis von Gesetz ins rechte Licht zu rücken, nämlich dass das Wohlergehen eines Menschen über Ver- und Geboten steht.
Jesu Botschaft, seine Brücke ins Reich Gottes, ist eine liebende Haltung zu allem was lebt zu haben und das Leben zu ehren. Dies vertrat er konsequent und schuf sich dadurch viele mächtige Feinde, die darauf aus waren, die Brücke wieder zu zerschlagen.
Trotzdem, Jesus lebte, feierte, litt und starb mit dem festen Vertrauen auf Gott. Jede Dimension seines Lebens war verbunden in Liebe mit dem Schöpfer und seiner Schöpfung. Das Vertrauen Jesu in unseren Gottvater kannte keine Grenzen.
Seine Hin-gabe und Auf-gabe endete darin, dass er den grausamsten Tod in Kauf nahm. Das war sein Opfer. Nicht Gott forderte ein Opfer als Sühne, wie so oft gesagt wird, nein, es war Jesu freie Hingabe um den Weg über die Brücke neu zu machen für uns. Und diesmal ist diese Brücke unzerstörbar!
Durch sein Leben und Sterben wurde Jesus, für uns alle, für immer und ewig die Brücke in die Gotteswirklichkeit, jenseits dieser schwierigen, leidvollen und unruhigen Welt. Sein Zeugnis verbindet uns miteinander, wenn wir nur diese Brücke betreten und ihm folgen zu Gott.  
In der zweiten Strophe von „Bridge over troubled water“ heisst es:
Wenn du total am Ende bist, auf der Straße liegst,
mit Bangen an den Abend denkst –
ich werde dich trösten, für dich einstehen.
Und wenn es dann dunkel wird und dich der Schmerz umfängt,
bin ich für dich wie eine Brücke über aufgewühlten Wassern –
versprochen!
Und dieses Versprechen gilt jedem einzelnen von uns: selbst im Leid am Kreuz hat Jesus die Arme weit geöffnet um uns zu umarmen.

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